Miteinander – Ökumene, Altenheim und Umgebung. Donnerstag, 7. Februar

Donnerstag 7. Februar

Spät gestern Abend – früh heute Morgen. Um 8.00 Uhr sollte die Pastor’s Fraternal, eine Art ökumenische Pfarrkonferenz, im Wohnzimmer beginnen. Martha hatte reichlich Kaffee in der großen Maschine der Church Hall gekocht und Becher und Kekse bereit gestellt. Es wurde nicht ganz so voll. Immerhin kamen Sue (Lektorin der anglikanischen Kirche), Ian (Pastor der Presbyterianer), Lekulu (Pastor der Apostolic Faith Mission) und Andrej (Baptistenpastor). Wöchentlich findet dieses ökumenische Treffen statt, meist mit einem „business“-Teil und einem inhaltlichen Thema. Diesmal geht es um den Umgang mit LGBTQ (Lesbian/Gay/Bi-sexual/Transgender/Queer), was übrigens hier häufig gemeinsam mit den Themen Scheidung und Frauenordination diskutiert wird. Zwei unserer anwesenden Kollegen aktzeptieren keine Frauenordination. Es scheint eine ziemliche Einigkeit zu herrschen, dass Homosexualität Sünde ist, denn so steht es in der Bibel. Vorsichtig wird angemerkt, dass es dabei wohl eher um Gewalt in diesen Beziehungen gegangen sei. Ob die Unterscheidung zwischen der Sünde, die wir hassen, und den Sündern, die wir lieben sollen, funktioniert, ist sehr die Frage. Was ist das Evangelium für „diese Menschen“? Wie können wir ihnen Gottes Liebe erfahrbar machen? Oder noch weiter gehend: vielleicht ist das Ganze eine Art Alibi-Diskussion, um von den richtig großen Sünden wie Spaltung der Kirche und Ungerechtigkeit in der Welt abzulenken? Weil wir dann an ‚diese Menschen‘ und ihre Sünden denken können, statt an uns selbst zu arbeiten? Spannend, dass in diese so diversen Runde die Frage angesprochen werden konnte, wenn auch vorsichtig und verhalten. Es ist gut, dass es diese geschwisterliche Runde gibt, denn alle diese Kirchen sind weit von der nächsten ihrer Art entfernt. Der kleine Ort Stutterheim hat 9 englischsprachige Kirchen – die alle klein sind und weit verstreut. Ob das sinnvoll ist, ist sehr die Frage, auch untereinander.

Das Wohnzimmer im Pfarrhaus ist Bibliothek und auch mal Gruppenraum

Besuch im Altenheim ‚Amatola Haven‘: von den erwarteten ca 25 Teilnehmenden sind ganze sieben erschienen. Eine Frau hat begonnen, gleichzeitig einen Handarbeitszirkel anzubieten, bei dem ausgiebig getratscht wird. Ist Kirche nur interessant, wenn nichts anderes passiert, um die Langeweile zu vertreiben? Oder gilt das Abstimmen mit den Füßen etwa der weiblichen Pastorin? Sie hält es nicht für ausgeschlossen. Die gekommen sind, sprechen fast alle auch gern Afrikaans, hören aufmerksam zu, sind offensichtlich „churchy“ und kennen einander gut.

Mittagessen, sehr lecker, im ‚Vinkel en Koljander‘ – auch das könnte in jedem europäischen Touristenort sein. Es gibt kein afrikanisches Essen, auch keine neue Mischung. Die Besitzerin kommt an den Tisch – alle kennen einander, die weiße Mittelschicht ist ein überschaubares Dorf. Wir reden Politik, jeder ist mit den katastrophalen Zuständen im Ort beschäftigt, aber man äußert sich sehr verhalten. So richtig traut man niemandem.

Blick auf die Amathole Berge

Eine Rundfahrt in die Berge, vorbei an einer Siedlung der ‚Coloured‘ mit neuer Schule. Dann kommt eine Siedlung mit kleinen neuen Häusern, jenseits der Grenze aber wurden Lehm- und Wellblechhütten gebaut. Als so eine etwas größere Wellblechhütte steht dort die Kirche der ‚Apostolic Faith Mission‘ von Pastor Lekulu. Wunderschön liegt der Wald vor uns, ein Waldpfad, ein Grillplatz, aber wir steigen nicht aus. Um den Spaziergang dort zu genießen, brauchen wir einen Führer, der sich mit den Schlangen und sonstigen Gefahren auskennt.

Zurück in die „Stadt“, wir kaufen bei Pick and Pay ein. Ein Supermarkt, nicht schlecht sortiert, alles in Plastik eingeschweißt, frisches Gemüse auch in Miniportionen, und fertige Mahlzeiten. Die Betreiberin des Ladens lässt Martha wissen, was heute günstig ist, und sie holt sich dann oft ihr Essen dort. Eine riesige Auswahl an südafrikanischen Weinen, für unsere Verhältnisse sehr billig. Draußen stehen Schülerinnen in Schuluniform und winken, ein Mann versucht sich mit Betteln. Gut bestückt fahren wir nach Hause, wieder durch riesige Schlaglöcher und über zum großen Teil unbefestigte Straßen.

War es vorher oder danach? Wir statten der Bethel-Mission-Church einen Besuch ab. Diese Zwillingskirche zu der Pauluskirche weiter oben ist ein kleines bisschen älter. Weil sie nahe an Mlungisi Township liegt und nicht mehr gebraucht wurde, wurde sie der lutherischen Gemeinde von Mlungisi geschenkt. Nach einiger Zeit der Nutzung verfiel sie. War sie ungeeignet? Ungünstig gelegen? Was dazu führte, dass die Kirche nicht mehr genutzt wurde, ist unklar. Die Glocke konnte gerettet werden (s. Mittwoch im Maschinenmuseum), aber als die historische Gesellschaft kam, um die Glocke zu holen, waren andere schon dabei, alles herauszureißen. Jetzt sind Kirche und Pfarrhaus halbverfallen, innen leer. Martha mochte nicht aussteigen, es fühlte sich auch dort unsicher an.

Zuhause noch ein Rundgang durch die ‚Church Hall‘ – richtig groß, Turnhalle mit Bühne, dazu zwei Klassenräume, eine Küche. Eine Schule war dort betrieben worden, von einem deutschen Pastor vorangetrieben. Nachdem er ging, war auch die Lehrerin fort, die Möbel verkauft, die Schule am Ende. Jetzt ist es kaum noch möglich, qualifiziertes Personal zu bekommen – und ohne das darf keine Schule mehr betrieben werden. Meistens steht das schöne Gebäude leer.

Lecker zu Abend gegessen, Gott und die Welt und Stutterheim im Speziellen rauf und runter besprochen, und nun fallen mir die Augen zu.

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