Kirchenvorstand – Bestandsaufnahme und Weg in die Zukunft – Samstag 9. Februar

Stutterheim ist Teil eines Gemeindeverbandes, den es in dieser Form noch nicht lange gibt, und der sich jetzt eine Pastorin – Martha Weich – teilt. Gerade ist der Bischof, Gilbert Filter, für eine Woche im Kirchenkreis Eastern Cape. Heute trifft er die Vorsitzenden der drei Gemeinden und ihre Pastorin, um gemeinsam anzuschauen, wie das Miteinander gelingt. Ich darf mit-hören, sogar gelegentlich eigene Erfahrungen beisteuern.

Wir sitzen in einem der beiden leeren Klassenräume, die zum Komplex der lutherischen Kirche gehören – die Schule, die es dort einmal gegeben hat, ist schon länger nicht mehr im Betrieb. Warum? Keine qualifizierten Lehrkräfte? Kaffee und Tee stehen bereit, aber es geht gleich voll ins Gespräch. Die Mitglieder werden weniger. Wird das Geld reichen, um die Pfarrstelle und die Gebäude weiter zu erhalten? Aber das sind gar nicht die wichtigsten Fragen. Eher geht es darum – und da sind wir plötzlich ganz nah an den Fragen, die uns in Deutschland umtreiben – wofür Kirche da ist. Was Gott vorhat und wie die Kirche und die jeweilige Gemeinde sich dabei einbringen kann. Wie es gelingen kann, die „Mauern im Kopf“ zu überwinden und sich zu öffnen. Die Person, die aufsteht und geht, wenn ein Schwarzer beim Abendmahl hilft, ist nur der Extremfall. Viele – auch in Deutschland! – wünschen sich eine Kirche, die vertraut ist. Wie immer. Die Bereitschaft, sich aktiv und auch finanziell einzusetzen, haben nicht so viele. Liegt es an den Predigten? An der Gemeinschaft? Daran, dass Glaube eine immer geringere Rolle spielt im Alltag, und die Sonntage sind auch gut anderweitig gefüllt? Wieviel gemeinsame Gottesdienste und Aktionstage sind sinnvoll und machbar, damit ein Gefühl für uns als lutherische Familie entsteht? Sind gemeinsame Konfirmandentage hilfreich? Wie können die Beziehungen zu den Menschen im Wohnumfeld wachsen? Was können wir als Gemeinden zum guten Miteinander beitragen? Was kann gemeinsam mit den ELCSA-Gemeinden entstehen? Überhaupt: wo geht es hin mit unserer guten alten Kirche?

Die Entfernungen, über die hinweg sich hier dieses Miteinander abspielt, sind für uns kaum vorstellbar. Die Orte liegen in einem Dreieck, jeweils gut 40km voneinander entfernt, in jedem eine Kirche. Zwei Gemeinden haben je ungefähr 150 Mitglieder, eine 40. Natürlich ohne Kirchensteuer. Jedes Mitglied müsste mindestens 250 Rand pro Monat aufbringen, das sind etwa 17€. Aber längst nicht alle zahlen.

All das und vieles mehr brachte die junge Frau mit ihrem ersten Baby, den gestandenen und inzwischen pensionierten Polizisten und den jungen Landwirt mit ihrer Pastorin und ihrem Bischof ins Gespräch. Gut, dass sie sich alle die Zeit dafür genommen haben. Nun werden die Kirchenvorstände weiter an den Aufgaben knacken müssen.

Natürlich wurde auch der Zustand der Innenstadt in Stutterheim kommentiert, der viele Müll, die abgebrannten und zerstörten öffentlichen Gebäude, die Unruhe. Alles nur bis zur Wahl, danach wird es ruhiger? Wie ist es mit der Landreform? Geht es hauptsächlich um ungenutztes Land, auch staatliches, das zur Nutzung neu verteilt werden soll?

Beim Mittagessen – nun zu dritt – ging das Gespräch unvermindert weiter, bis schließlich der Bischof wieder zurück musste nach East London.

Es gewittert, etwas Regen kommt herunter, ich möchte unbedingt nach draußen. Martha hat Bedenken, wenn ich mich allein auf die Straße mache. Eine Nachbarin erbarmt sich und macht mit mir einen Spaziergang durch die wirklich sehr hübsche, wohlsituierte Siedlung. Der Regen ist warm, die Stimmung entspannt. Meine Begleiterin hat weniger Sorgen als andere. „Ich fühle mich nicht bedroht, sagt sie. Ich gehe hier im Ort immer zu Fuß. Allerdings, in den letzten Monaten begleitet mein Mann mich gerne.“ Sie sieht die Unruhen als Teil des Wahlkampfes, das geht vorüber. So kann ich mich an den schönen Bäumen freuen und merke, wie sehr ich mit den Beschränkungen meiner Bewegungsfreiheit zu kämpfen habe. Ich bin doch gewöhnt, dass ich mit Fahrrad und zu Fuß auch allein hinkann, wo ich will. Das werde ich noch viel mehr zu schätzen wissen, in Zukunft.

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