Schreibtisch, Sonne und Diskussionen – Freitag

Die Emails häufen sich auf, die Predigt will vorbereitet sein und zuhause wartet der Gemeindebrief – ein Vormittag am Schreibtisch liegt nahe, trotz des wunderschönen Wetters. Wenigstens mittags gehen wir aus: „Vino Cappucino“ ist ein sehr hübsches kleines Restaurant, von dessen Terrasse aus man in die Berge schaut und den ganzen Müll der Straßen nicht wahrnimmt.

Köstlich ist das Essen, mild die Luft, überall blüht es. Ein streunender Hund bettelt am Zaun und bekommt etwas von den Essensresten. Viele ältere Frauen sind hier, Martha kennt sie alle und fragt jede nach ihrem Ergehen – Dorf!

Die braune Kuh hat besonders lange Widerstand geleistet – und der Schuljunge musste all seinen Mut zusammen nehmen, mit der Hand wedeln und Buh rufen, um vorbeizukommen.

Eine Rundfahrt durch die Nebenstraßen auf der anderen Seite der Schule führt uns durch manches Schlammloch. Die Kühe müssen erst gescheucht werden. Fenster auf und von außen an das Blech des Autos klopfen. Die meisten beeindruckt das, sie gehen langsam beiseite. Es ist viel Platz, die Häuser sind großzügig gebaut und haben viel Wiese drumherum, dann einen hohen Zaun. Hühner, Kühe, Hunde werden gehalten, es ist so eine Art Mini-Landwirtschaft. In dieser Gegend wohnt auch Mr Gxala, der uns gestern besucht hat.

Noch einmal durch den Ortskern – zum ersten Mal sehe ich in Ruhe die öffentlichen Gebäude, die bei den letzten Unruhen angezündet wurden und völlig ausgebrannt sind. Auch die Ampeln an der Kreuzung haben sehr gelitten und sind unbrauchbar.

Als wir zurück sind, kommt Zoliswa vorbei, zusammen mit Dean Zazini. Beide sind sehr formell gekleidet, sie waren bei einer Beerdigung in Mlungisi. Die traditionelle Uniform der „Women’s League“ kommt uns jetzt wie eine afrikanische Besonderheit vor, fast als gehöre sie zu den Traditionen der Xhosa. Ursprünglich aber war es die „gesittete Kleidung“, die die Missionare als christlich und die Kolonioalherren als anständig von den Eingeborenen verlangt haben. So ist sie zu einer kirchlichen Tracht geworden – die aber nur noch in den schwarzen Gemeinden verwendet wird.

Am Abend überlegen wir noch einmal sehr intensiv miteinander, was der Besuch in der Kirche in der Township Mlungisi bedeutet. Kein Besuch aus dem Partnerkirchenkreis in Deutschland, sondern eher so, dass die St. Paulskirche in Stutterheim ihren Gast für einen Vormittag ausleiht. Gern wäre auch die Pastorin mitgekommen, hat aber selbst Gottesdienste zu halten und kann deshalb nicht. Dabei kommen immer wieder auch die Wunden und Frustrationen der Beziehung zur Sprache – in den 80er Jahren war die Zusammenarbeit gut, gemeinsam hat man sich für die Befreiung stark gemacht.

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