Glaubenskurs und mehr …. Samstag

Christlich glauben, lutherisch glauben, darüber selbst nachdenken und vielleicht sogar einmal selbst davon in der Kirche predigen – wie geht das? Sieben Frauen und ein Mann sind gekommen aus den beiden Gemeindebereichen Stutterheim, King Williams Town und East London, um miteinander zu lernen. Für gut zwanzig war der Tisch gedeckt in der Gemeindehalle.

Bei wunderbarem Sonnenschein fanden sich die ersten noch draußen im Garten zusammen, teilweise kannten sie sich schon. Und dann ging es schnell in die Vollen:

Wie sind wir Menschen?

Wir beginnen mit sehr unterschiedlichen Jesusbildern. Welches spricht zu mir? Welches mag ich gar nicht? Ein intensiver Vormittag mit köstlicher Teepause und sehr guten Gesprächen. Wir lernen wirklich voneinander! Die Idee ist, dass diese Frauen, wenn sie sich am Ende des Kurses dazu berufen fühlen, Lektorinnen und Predigerinnen werden (der Mann ist es bereits). Ich fühle mich sehr ermutigt, den für Loccum geplanten Glaubenskurs auch wirklich anzupacken!

Dann muss eine Teilnehmerin plötzlich aufbrechen. Sie mussten ihre Haushaltshilfe gestern ins Krankenhaus bringen – heute ist sie mit 38 Jahren gestorben! Da bleibt nun eine achtjährige Tochter, vermutlich bei den Großeltern. Martha erzählt mir, wie viele Menschen AIDS haben, aber nicht darüber sprechen, vielleicht es nicht einmal selbst wissen. Oder sie gehen zu der offenen Klinik, aber verkaufen dann die Medikamente, weil sie die Wirkung von Drogen verstärken und daher sehr begehrt sind. Viele sterben dann an Lungenentzündung, das geht erschreckend schnell.

Nachdem wir aufgeräumt und die Küche gemacht haben, sind wir erschöpft und hängen eine ganze Weile in Sofas und Betten herum, bis wir uns aufraffen können, unsere Gottesdienste vorzubereiten. Meine Aufgabe ist es, eine Predigt für die Gemeinde in der Township Mlungisi auszudenken. Der Text ist eine echte Herausforderung. Die Seligpreisungen bei Lukas (Lukas 6, 17-26) sind krass. Selig sind die Armen – denn ihnen gehört das Himmelreich. Wehe den Reichen, sie haben ihren Trost schon bekommen. Und so geht es weiter. Umkehrung der Verhältnisse – und ich komme doch gerade IN diesen Verhältnissen nach Mlungisi. Ich wohne im wohlhabenden Teil von Stutterheim und komme aus einem der reichsten Länder der Erde. Und ich soll Menschen predigen, die seit 14 Tagen ihr Wasser mit Kanistern holen müssen, die sich keine höhere Bildung leisten können, die keine Arbeit finden, und wo junge Frauen an AIDS sterben. Ich zittere und denke, viel öfter müsste ich so zittern. Gottes Wort ist nicht immer nett zu mir.

Meine Predigt ist fertig. Ich bin sehr gespannt, morgen früh wird Mr Gxala mich abholen.

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