Hoffnung für die Menschen – iThemba laBantu und das Meer. Freitag

Der Hof von iThemba Labantu, rechts ein Stück Kirche, geradeaus die Verkaufs-Hütten

Heute steht iThemba Labantu auf dem Kalender. Ich habe schon viel gehört. Im Internet finde ich darüber folgendes (https://ithemba-labantu.co.za/de/):

Endlose Reihen von Häusern, die Township ist riesig!

„Philippi ist eines der größten Townships im Western Cape, dessen Geschichte und Entwicklung noch eng an die Apartheitszeit gebunden sind. Die Einwohnerzahl Philippis steigt rapide. Im letzten Jahrzehnt hat sie sich verdoppelt. Derzeit wird sie auf etwa 350 000 Menschen geschätzt. Ebenso wie viele andere Townships, ist Philippi stark von Armut geprägt. Die Zahl der Arbeitslosen ist extrem hoch, viele Menschen leben in Wellblechhütten, oft ohne Stromanschluss und Wasserversorgung.

„Irregular settlements“ – ungeregelte Ansiedlungen heißen die außerhalb der ausgewiesenen und mit Strom und Wasser versorgten Gebieten entstehenden Ansammlungen von Blechhütten

Die Einwohner Philippis haben mit den vielen Folgen der Armut und Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Durch den Mangel an Bildung und das unzureichende Gesundheitswesen sind Krankheiten wie HIV/AIDS und Tuberkulose stark verbreitet. Dazu kommen die hohe Kriminalitätsrate, Gewalt, die oft von Banden ausgeht, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Zudem hat Philippi eine der höchsten Mordraten im Land.

Klempnerwerkstatt – in sechs Monaten erhalten die Menschen dort eine Grundausbildung

Das Gemeindezentrum iThemba Labantu liegt mitten in Philippi, und hat es sich zu Aufgabe gemacht, den Menschen des Townships in einem liebevollen und sicheren Umfeld Hilfe zu bieten. Bei der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Arbeitssuchenden und Ausbildern ist es unser Ziel, die Stärken und Talente im Township zu finden und auszubilden, um eine bessere Zukunft für alle zu verwirklichen.

Wir – Cyril und ich – werden von Matome abgeholt, dem Pastor der Gemeinde in Belville. Er hat außer in Pietermartizburg auch in Hermannsburg / Göttingen studiert und sein Vikariat in Stelle gemacht. Sein Predigerseminar war Loccum! Ich bringe ihm Grüße von dort. In großem Bogen umfahren wir die Stadt und kommen zu dem wunderschönen Eingang zu iThemba Labantu, dem diakonischen Projekt der lutherischen Kirchen.

der neue Philipp-Lahm-Sportplatz

Kilian, der deutsche Freiwillige, führt uns herum. Zuerst zum Sportplatz, der erst vor zehn Tagen eingeweiht wurde. Philipp Lahm hat ihn wesentlich gesponsort und war zur Einweihung hier, ein ganz besonderes Ereignis für alle Beteiligten. Kinder und Jugendliche trainieren hier in acht oder sogar neun Fußballmannschaften, hier findet der Sportunterricht der kleinen Grundschule statt.

Die Grundschule ist gerade erst im Aufbau. Sie wächst in dem Gebäude, das vorher ein Hospiz für Aids/HIV-Kranke war. Als iThemba Labantu begann, wurde bald deutlich, dass Aids/HIV zu den größten Problemen gehörte und ein völliges Tabuthema war. So begannen hier Gesprächsgruppen besonders für betroffene Frauen (etwa 8 von 10 Schwangeren sind HIV-positiv). Pastor Otto Kohlstock, der Leiter der Einrichtung, erzählt von den ersten Jahren, von Besuchen in den Hütten und der katastrophalen Situation bei der Pflege der Sterbenskranken. So entstand das Hospiz. Inzwischen wurde ein großes Krankenhaus von der Regierung gebaut und das kleine Hospiz wurde überflüssig (und nicht mehr gefördert). So entstand die Grundschule, die jetzt bereits drei Jahrgänge betreut.

Mit den Kindern sind wir zur Morgenandacht in der Kirche eingeladen. Die Kinder kommen geordnet herein und setzen sich, ziemlich ruhig, aber nicht gedrillt. Wir, die Gäste, werden begrüßt und Cyril beeindruckt wieder einmal mit seinem guten Xhosa und seinen Witzen. Für mich singen die Kinder die Nationalhymne, mit Hand auf dem Herzen. Dann singen alle, eine Ansprache über „Liebe über alles andere“, das Vaterunser gesungen, und singen ziehen die Kinder wieder nach draußen.

links ist ein Stück Putz ausgespart, man sieht die Bauweise aus Sandsäcken

Die Führung geht weiter, durch die – aus Sandsäcken gebaute! – Suppenküche, das wunderschöne Schulgebäude, die Ausbildungswerkstätten. Alles ist leicht gebaut, hier wird es ja nicht sehr kalt. Wunderschöne Farben bestechen, die Räume sind einfach, aber man kann lernen. Auch die Suppenküche ist schlicht, es gibt einen festen Essensplan pro Woche, jeden Montag das Gleiche, Eintopf oder Nudeln. Die Kinder, die in die Schule kommen, bekommen zuerst Frühstück. Für viele sind diese die einzigen Mahlzeiten.

Die Sponsorenwand am Sportplatz

Einen Laden gibt es auch, wo bunte Keramik verkauft wird und hübsche Perlenkunst. Dieses ist das einzige, was Geld einbringt in dem Projekt. Vieles geht auf Bestellung nach Deutschland. Überall sieht man Sponsoren aufgeschrieben, am Bus, an den Wänden, jemand ist offensichtlich sehr erfolgreich beim Spenden-Einwerben. Es gibt einen deutschen Förderverein: Hoffnung für die Menschen.

Pastoren Otto Kohlstock, Matome Sadiki, Cyril Tessendorf

Pastor Otto Kohlstock erzählt, wie er hierher gekommen ist, als Missionar zuerst, der dann nicht wieder zurück wollte und etwas mehr Praktisches tun. So kam es zu iThemba Labantu. Von der Gewalt erzählt er, die die Menschen erleben, er selbst auch. Mit Revolver, mit Messern bedroht, ausgeraubt. Ein junger Mann wurde von vieren mit Messern bedroht. Er hat gesagt, nehmt alles, ich wehre mich nicht. Nur bitte lasst mir meinen Ausweis. Da hat einer der Angreifer, verärgert, ihm einen Stein auf den Kopf gehauen, seitdem ist er schwer psychisch behindert. Es geht meistens dabei um Drogen, da sind die normalen Hemmungen einfach weg.

Innenhof der Schule

Eine wunderschöne Insel mit Auswirkungen in die Umgebung, so erlebe ich iThemba Labantu. Die lutherischen Kirchen können stolz darauf sein, denn wenige gehen freiwillig in dieses bedrohliche Umfeld.

Die Kinder warten auf den Grill – eins ist die „Lehrerin“ und passt auf.

Matome fährt mich in die Stadt, ich wohne die letzten beiden Nächte in einem wunderschönen B&B mit Blick über die Stadt und auf das Meer. Die Ruhe tut mir gut, Fenster aufmachen können und für mich sein. Ich sitze und genieße.

Später holt Bischof Filter mich ab, wir gehen an der Uferpromenade spazieren und reden über die Erfahrungen mit diesem Austausch, über die Situation der Kirche hier und in Deutschland. Ob wir, die „alten“ Kirchen, den Moment zum Umbau auf eine lebendige Gemeinde verpassen? Obwohl die lutherische Kirche hier in Südafrika längst Freiwilligkeitskirche ist, herrscht immer noch in vielen Gemeinden das Bedürfnis vor, für sich selbst zu sorgen. Die Kirche soll schön sein für die, die dazugehören. Sprache und Musik und Atmosphäre sind davon bestimmt. Bischof Filter meint, die Frage muss aber heißen: Was können wir, die Kirche, für die Gemeinschaft tun, in der wir leben? Was ist unsere Aufgabe, unsere Berufung?

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