Load shedding und Besuch – Montag, 11. Februar

Grau und verregnet beginnt der Tag. Es ist kühler geworden. Heute kommt Sizeka, die ein Jahr als Volunteer in einem Kindergarten unseres Kirchenkreises Praktikum gemacht hat. Sie lebt in Mlungisi, einer Township, die wir aus dem Fenster auf dem Hügel liegen sehen, und hat seit ihrer Rückkehr vor einem Jahr weder Arbeit noch Ausbildung gefunden. Ich möchte ihr gern ein deutsches Essen kochen – aber dann wird der Strom abgestellt.

Load shedding heißt das und ist die kontrollierte und geplante Reduktion von Stromverbrauch, um einen völligen Blackout zu verhindern. Anscheinend wurden die südafrikanischen Kraftwerke über Jahre nicht ausreichend gewartet und verbessert. Schon 2008 und wieder 2015 gab es eine solche Energiekrise, in der über längere Zeit große Teile des Netzes in verschiedenen Stufen abgeschaltet wurden.

gemütliche-romantische Küche im Kerzenschein bei Stromsperre

Letzten Mittwoch, als ich meinen ersten Tag in Stutterheim erlebte, war der Strom für 6 Stunden ausgefallen und ich habe in einem der wenigen noch geöffneten Läden im Dunkeln eingekauft. Heute wird ein Plan für die nächsten Tage veröffentlicht. Wir sind auf Stufe 4 des Notfallplanes: innerhalb von 4 Tagen wird insgesamt 12 Mal der Strom für je 2-2,5 Stunden abgestellt. Heute ist war das von 11-13 Uhr, 19-21 Uhr und irgendwann noch einmal heute Nacht. Krankenhäuser werden ausgenommen, heißt es auf der Webseite von Eskom, und vermutlich auch große Industrieanlagen. Nicht aber die Verkehrsregulierung, da ja inzwischen überall elektronisch läuft. Da sind wir froh, dass wir auf dem Land wohnen und die wenigen Ampelanlagen im Notfall auch entbehrlich sind.

Wie gut, dass Martha einen Gaskocher geschenkt bekommen hat, damit es trotzdem jederzeit Kaffee und Tee geben kann. Aber aus meinen Kochplänen wurde erstmal nichts. Wir sind einkaufen gegangen, den Pick and Pay hat einen eigenen Generator. Übrigens haben sehr viele größere Geschäfte und Wohnanlagen etc ihre eigene Stromversorgung, was den Dieselverbrauch und die Umweltverschmutzung in den Zeiten von Stromabschaltung sehr erhöht.

Bei Pick and Pay, wo sich die gesamte Bevölkerung der Stadt trifft, gibt es warmes Mittagessen zum Mitnehmen. Für 40 Rand, also ca. 2,60€, gibt es eine komplette Mahlzeit mit zwei Gemüsen, einem Fleischgericht und einer Beilage. Dafür kannst Du nicht selbst kochen, wenn Du Zeit und Energie mitrechnest – vor allem nicht für eine Person allein.

Sizeka kommt – mit dem Taxi (also einem klapprigen Auto, das zum Festtarif Leute aus zwischen Mlungisi und Stutterheim hin und her fährt) bis ins Zentrum, dann gehe ich ihr zu Fuß entgegen. Mit einem Stock in der Hand, falls ich auf widerspenstige Kühe treffe. Die weiden nämlich an den Straßenrändern, wenn ihre Besitzer keine Weide haben. Keiner schaut nach ihnen, werden sie ab und zu wieder geholt? Aber bei diesem Regen haben auch die Kühe keine Lust auf frische Luft. Sizeka hat sich bei der Polizei untergestellt.

Die Wiedersehensfreude ist riesig! Und dann erzählen wir und erzählen…. Was ist passiert in diesem Jahr? Nichts, für Sizeka. Das Leben ist langweilig. Ehrenamtlich etwas machen? Das ist in Südafrika nicht erwünscht, erklären mir Sizeka und Martha einhellig. Das nimmt ja irgendwem die bezahlte Arbeit weg. Also immer wieder bewerben und warten. Sizekas Schwestern und Brüder sind alle in Kapstadt, wo sie offensichtlich Jobs gefunden haben. Die drei Töchter der Schwester aber leben mit Sizeka bei den Großeltern. Für sie wäre das Leben in Kapstadt zu gefährlich und zu teuer, und die Mutter kann sich eh nicht kümmern, wenn sie arbeitet. Das Kindergeld hilft auch dem Rest der Familie beim Überleben, denn Sizekas Vater hat im Frühjahr nach einem großen Streik seine Arbeit verloren.

Was wir nicht aufessen, nimmt Sizeka gern mit nach Hause. Wir bringen sie zum Taxistand (den man nicht als solchen erkannt hätte), wenig später ist sie zuhause.

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