Abschied und Ankunft – von Stutterheim nach Kapstadt. Dienstag und Mittwoch

Xhosa-Schmuck, indisch inspiriert

Morgens um acht klingelt es. Die Sekretärin ist im Büro, Sundowns will im Garten arbeiten und braucht Hinweise, das Telefon beteiligt sich auch…wir sind wieder im Dienst! Heute ist mein letzter Tag in Stutterheim. Ich schreibe, räume, und warte auf Zoliswa. Sie hat sich nämlich vorgenommen, dass sie etwas eher aus der Schule abhaut um hier noch einmal vorbeizukommen, mir mein Kleid und „ein paar Sachen“ zu bringen. Und das macht sie wirklich! Eigentlich muss sie bis 15.00 Uhr arbeiten, und um 16.00 Uhr hat sie ein Planungstreffen der Kirche für Ostern – in Mdantsane, King Williams Town. Stattdessen windet sie sich mittags raus, fährt gut 30km in die falsche Richtung um 20 Minuten bei mir zu sein, mir mein indisches Hauskleid (frisch gewaschen und gebügelt) und wunderschönen Schmuck für die Hand zu bringen. Ich glaube, nun sind wir über den nicht stattgefundenen Besuch in ihrem Haus einigermaßen versöhnt.

Eingeladen bei den Nachbarn

Am Abend sind wir eingeladen zu einem echten Afrikaaner-Essen. Bei dem netten Ehepaar um die Ecke gibt es Venison Pie – aus Springbok-Fleisch – und ein Malayisches Essen mit Hackfleisch, Käse und gelbem Reis. Köstlich. Es wird viel erzählt, zum Teil in Afrikaans. Das ständige Wechseln der Sprachen beeindruckt mich schon sehr. Der Hausherr ist einer von denen, die auf einer deutschen Farm aufgewachsen sind. Als er in die englische Schule kam, sprach er nur Deutsch und Xhosa. Sein Deutsch ist inzwischen sehr rostig, sein Xhosa immer noch ständig im Gebrauch. Seine Frau spricht am liebsten Afrikaans, kann kein Deutsch, aber offiziell ist natürlich alles auf Englisch. Das andere Ehepaar sind eine Afrikaaner und eine, die Englisch aufgewachsen ist. Martha hatte einen deutschen Vater, ist mir Afrikaans aufgewachsen, spricht natürlich ständig Englisch, aber kein Xhosa. Und so springen sie alle hin und her, Worte aus der einen oder anderen Sprache helfen manchmal aus.

Willi erzählt viel aus der Landwirtschaft, wo er in der Fütterungsforschung tätig war. Sie haben versucht, kooperative Wirtschaftsmodelle aus Brasilien anzuwenden. Das ging nicht – die Mentalität ist zu anders. Die Xhosa denken nicht individuell, sondern vom gemeinsamen Besitz her. Die Kühe, die draußen herumlaufen, gehören der Gemeinschaft. Vieles in ihrer Wirtschaftsweise ist noch von der ursprünglich nomadischen Lebensweise geprägt. Das kracht natürlich mit den Siedlern, die Weiden abzäunen und Eigentum definieren wollen.

Unsere Gastgeber geleiten uns im Dunkeln nach Hause und versichern sich, dass wir im Haus sind, ehe sie selbst heimkehren.

Heute früh ist dann dem Packen gewidmet gewesen. Um elf sind wir abgefahren. Noch einmal nehme ich die Landschaft wahr, grün und voller Kühe – besonders beeindrucken die ursprünglich indischen Brahman-Kühe.

An East London vorbei und tief im Gespräch versunken verpassen wir doch tatsächlich die Zufahrt zu dem kleinen Flughafen! Und sitzen dann in demselben Café, bekommen denselben Platz direkt vor demselben Kuchen zugeteilt wir genau vor drei Wochen. So schnell ging die Zeit und so viel habe ich dort erlebt! Und was wir alles nicht geschafft haben, kommt auf die Liste für einen nächsten Besuch. Schule und Bergwanderung und Baden im Meer und Stadtverwaltung und eine der Freikirchen….

Der Flug ist diesmal etwas unruhig, starker Gegenwind schüttelt das Flugzeug etwas. Wir sehen eine unglaubliche Bergkette, wie aufgebaut zieht sie sich durch eine sonst nicht so bergige Landschaft. Leider sitze ich nicht am Fenster und kann nur ein Foto quer über meinen Sitznachbarn hinweg machen. Noch kurz vor dem Landeanflug müssen wir über hohe Berge, so dass eine große Schleife übers Meer nötig ist um uns langsam der Erde zu nähern.

In Kapstadt erwartet mich Cyril, mein nächster Gastgeber. Er ist pensionierter Pastor der lutherischen Kirche und hat in Stutterheim schon Vertretung gemacht – ursprünglich stammt er auch von einer deutschen Farm in King Williams Town, ist auch mit Deutsch und Xhosa aufgewachsen. Er erzählt und erzählt – ganz viel von seiner Tätigkeit für die Regierung, wo er oft übersetzt und vermittelt hat, sich selbst manchmal eher als ein „weißer Xhosa“ verstanden hat. Er kann gut erzählen, von seiner Begegnung mit einer Kobra, von der Arbeit auf der Farm, von den Verhandlungen um die neue Struktur des Staates nach dem Ende der selbstregierten „Homelands“. Wie die unterschiedlichen Kulturen, Kommunikationsstile, Vorstellungen von Würde und Gerechtigkeit einander begegnen  – sehr spannend und sehr schwierig!

Wir spazieren auch noch durch das ruhige Wohnviertel, das als Gartenstadt angelegt wurde, um Familien günstige Wohnmöglichkeiten zu bieten. Die Häuser waren einfach, das war die Regel, die alle Besitzer unterschreiben mussten. Sie duften nach und nach einen oder zwei Räume anbauen, und so sind die Häuser inzwischen etwas gewachsen, aber immer noch eher schlichte Bungalows. Nun aber baut plötzlich ein Reicher einen hohen Klotz dazwischen, will sich erweitern und mehr Grundstücke kaufen. Was daraus wohl wird? Und wer da wem entsprechende Gelder zugeschoben hat? Die Kurruption ist ein ständiges Thema.

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